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Rob Wallace

Was COVID-19 mit der ökologischen Krise, dem Raubbau an der Natur und dem Agrobusiness zu tun hat

PapyRossa Verlag, 2020


Der Experte meint feststellen zu können, dass das vermehrte und gefährlichere Auftreten von Viren mit dem „industriellen Modell der Landwirtschaft und insbesondere der Viehzucht“ zu tun habe. Statt die „strukturellen Ursachen“ von Epidemien/Pandemien anzugehen, stellten die Staaten sich verengt zu den Seuchen als einzuhegender Notfall.

Mal abgesehen davon, dass nicht das Industrielle für sich, sondern die kapitalistische Betreibung von Landwirtschaft und Viehzucht das treffendere zu Kritisierende ist:

Wenn Aufkommen neuer Viren mit der kapitalistischen Art der Landwirtschaft/Viehzucht zu tun hat, eine Sache deren „Profitabilität“ sei, warum sollten Staaten an diesen „strukturellen Ursachen“ interessiert sein. Wenn die Epidemie-/Pandemie-begünstigenden Umstande bürgerlicher ‚Geschäftsmodelle‘ mit deren Räson steht und fällt, wäre es geradezu sachfremd, dass die hoheitlichen Betreuer des Weltkapitalismus dagegen kritisch sein sollten. Sie kennen offenbar erst mal nur den Gesichtspunkt notfallmäßigen Angehens von Pandemien zur Abwehr derselben von ihren Kapitalstandorten. Das wär doch mal ein Hinweis auf die systemische Absurdität, den absurden Zirkel, die/der darin liegt: wegen des Profitprinzips setzen die Geschäftemacher allerlei Schädliches frei; und wenn die bürgerlichen Verwalter der Kapitalstandorte darin einen nationenweiten Schadensfall wittern, wird genau wegen des Profitprinzips ein Notfallmanagement zur Rettung desselben etabliert. Wenn, dann kennt man die Befassung der Staatenwelt mit grenzüberschreitenden zerstörerischen Wirkungen der globalen Geschäftemachereien über die Ausrufung von nationalen Notständen hinaus als imperialistische Konkurrenz derselben um die Aufsicht über die Geschäftsmethoden/-gegenstände, die Eröffnung neuer Geschäftsfelder (s. Klimapolitik, wo der Streit über irgendwelche Klimaziele das Material für energiepolitische Offensiven und deren geschäftstaugliche Umsetzung gegen die jeweiligen Konkurrenten ist).

Dem Agrarbusiness mit dem Hinweis darauf, dass es diesem um Profitabilität ginge, das Konstitutive kapitalistischen Wirtschaftens zu entnehmen und daraus einen einzigen Einspruch gegen dasselbe zu machen, unterscheidet sich doch sehr davon, wie der Autor aus der Nachzeichnung dessen, wie Landwirtschaft im Kapitalismus mit ihren Eingriffen in natürliche Umgebungen allerlei Krankmachendes freisetzt, darauf hinaus will, dass deren speziellen Geschäftsmethoden („Landübernutzung“ und dadurch Freisetzung von zuvor “eingeschlossenen Krankheitserregern“, „Züchtung genetischer Monokulturen von Nutztieren“ und darüber „Beseitigung von Immunschranken“) die Grundlage genommen werden müsse ausgerechnet durch die Aufsichtsinstanzen und zugleich Freisetzer rentablen Wirtschaftens, die Staaten. Für sauberere Produktions-/Wirtschaftsbedingungen einzutreten bei Fortwirkung des Profitprinzips nimmt zurück, wie all das ausgewalzte Ruinöse mit letzterem steht und fällt.

Auch eine andere Ungereimtheit sei erwähnt: stößt sich Wallace daran, dass die Krisenmanager borniert den Standpunkt des Katastrophenmanagement einnehmen würden, landet diese selber in Absetzung von deren „autokratischen Kontrollmöglichkeiten“ bei diesen als Akt von „Solidarität“:

„...Im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit halte ich mich lieber an Vertrauen und Mitgefühl, die wichtige Variablen bei einer Epidemie sind.  Ohne beides verlieren die Regierungen die Unterstützung der Bevölkerung. Wir brauchen ein Gefühl der Solidarität und des gegenseitigen Respekts, um solche Bedrohungen gemeinsam zu überstehen...“

Dass irgendwie kein Weg daran vorbeiführt, einem Virus Herr zu werden, darüber sollte man nicht aus dem Blick nehmen, dass erstens die Staaten sehr risikobehafteten Geschäftemachereien den Weg bereiten und wenn zweitens deren Folgen sich als Epidemien äußern, die Standorthüter Regeln des Umgangs damit unter dem Diktat erlassen, ihre Geldbereicherungsmaschinerien schleunigst wieder zu entseuchen – wofür die statt „Mitgefühl“ ihre ganze Rechtsgewalt dafür einsetzen, ihre Volksbasis gesundheitspolitisch, ja gesundheitspolizeimäßig so in die Mangel zu nehmen, dass unter für sie vertretbare Opferzahl die menschliche Manövriermasse für ihren kapitalistischen Laden im Großen und Ganzen brauchbar erhalten bleibt.